In diesem Schuljahr wurde an der HTL Rennweg erstmals im Rahmen einer unverbindlichen Lehrveranstaltung das Thema künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence) angeboten. Der Freigegenstand stieß bei zahlreichen Schüler*innen aus den 3. bis 5. Klassen aller Abteilungen auf großes Interesse und wurde mit Begeisterung aufgenommen.

Das Unterrichtsprogramm startete im Oktober mit einer halbtägigen Exkursion zum Forschungsschiff MS Wissenschaft, wo auf anschauliche Weise die abwechslungsreiche Geschichte sowie aktuelle Anwendungen der künstlichen Intelligenz präsentiert wurden.

In weiterer Folge lernten die Schüler*innen auf spielerische Weise die wichtigsten Konzepte kennen und verstehen. Dabei wurden auf Themen wie z.B. Klassifizierung, Regressionsanalyse, Entscheidungsbäume, neuronale Netze und Bildverarbeitung eingegangen. Nicht zuletzt beteiligten sich die Schüler*innen intensiv an spannenden Diskussionen über gesellschaftliche und ethische Aspekte der modernen Technologien.

Höhepunkt war schließlich die Zertifizierungsprüfung zum neu geschaffenen European Driving License for Robotics and Artificial Intelligence (EDLRIS), dem international anerkannten Ausbildungs- und Zertifizierungssystem für Robotik und künstlicher Intelligenz. Die Prüfung war vor wenigen Tagen und wurde im Rahmen eines Online-Tests durchgeführt. Das Feedback des Zertifizierers (DI Dr. Martin Kandlhofer, TU Graz) war sehr beachtlich und erfreulich für unsere Schüler*innen: „Gratulation, es haben alle angetretenen Schüler geschafft – durch die Bank eine sehr hohe Punkteanzahl!

Dass unsere Lehranstalt als erste HTL ein derartiges Ausbildungsprogramm anbietet, dürfte für Insider keine Überraschung sein: Schließlich wurde die HTL Rennweg bereits zum 6. Mal als innovativste Schule ausgezeichnet.

Wir waren die erste HTL Wiens, die zertifiziert wurden.

Text: Harald Zainzinger

Bild: Doris Schöndorfer (links) und Harald Zainzinger (rechts)

Wie gestalten Sie den Unterricht mit ihren Schüler*innen?

Inhaltlich achte ich darauf, dass ich neben dem Lehrplanbezug auch Bezug zur aktuellen Krise herstelle – dies ist vor allem im Fach GGP sehr spannend, weil die Corona-Zeit so viele Themen aus dem Fach GGP sichtbar und greifbar macht, z.B. hat es Arbeitsaufträge zu Themen der Demokratie / VWL gegeben: Grundrechte, Gesetzgebung, Konjunkturprognose nach Corona usw. Ich habe eine Corona-Präsentation erstellt, in der Theorie-Inputs und die einzelnen (durchnumerierten) Arbeitsaufträge stehen. Einmal pro Woche sind wir live auf Discord oder Teams, sodass ich den direkten Kontakt zu den SchülerInnen nicht verliere.

Unterrichten Sie exakt nach dem Stundenplan?

Ja, ich gebe die Aufgaben immer am Beginn der Stunde und auch unsere Treffen auf Discord oder Teams finden in den Unterrichtsstunden statt. Ich habe den Eindruck, dass dies für das Planen/für die Struktur der SchülerInnen sehr gut ist. Nur im Fach SOPK / PKT / Freigegenstand habe ich Termine außerhalb der Stundenplanzeiten gewählt.

Wie funktioniert es im Großen und Ganzen? Gibt es Schüler*innen, die sie nicht erreichen? Wie gehen Sie in solchen Fällen vor?

Es funktioniert wirklich sehr gut – wichtig ist auch, dass die Schüler*innen immer wieder Lob kriegen und motiviert werden. Es gibt ein paar Schüler*innen, die z.B. über Teams nicht erreichbar sind, sie erhalten E-Mails und wenn dies auch nicht funktioniert, verständige ich die Klassenvorstände.

Welchen Eindruck haben Sie über die Motivation der Schüler*innen? Ist diese nun nach 5 Wochen E- Learning zurückgegangen?

Ich habe den Eindruck, dass einzelne Schüler ‚etwas müde‘ geworden sind und einige nach wie vor mit der Selbstorganisation überfordert sind. Andere hingegen immer noch topmotiviert sind und das ‚Distance Learning‘ dem klassischen Unterricht im Klassenzimmer gegenüber sogar vorziehen.

Wie empfinden Sie ihren Arbeitsaufwand? Ist dieser gestiegen? Gesunken?

Der Arbeitsaufwand ist gewiss gestiegen, vor allem durch dieses ‚permanently online + permanently connected (POPC) sein – besonders am Beginn der Corona-Zeit habe ich mich bewusst immer wieder ausgeklickt, da diese Flut an Emails etwas unkoordiniert auf uns einströmte und ich einfach nicht mehr alles lesen wollte. Die MS Teams Konferenzen mit unseren Vorgesetzten sind sehr wichtig und sinnvoll.

Welche positiven Aspekte ziehen Sie aus dieser Zeit? Sowohl, was die Schule betrifft, aber auch allgemein?

Ich persönlich wünsche mir schon sehr lange mehr Digitalisierung im Unterricht und praktiziere es auch schon eine Weile – so gesehen, bin ich froh, dass nun durch Corona das gesamte LehrerInnen-Team + Vorgesetzte ’neue Methoden‘ der Kommunikation nutzt und vielleicht sogar beibehalten wird. Corona hat in uns allen eine Phase des Reflektierens ermöglicht ‚was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Was werde ich nach Corona anders machen?…

Wie, glauben Sie, wird es weitergehen? Was wird sich nachhaltig ändern?

Es gibt viele neue Wege, die nach der Krise einen ‚Neubeginn‘ ermöglichen würden: im Bereich Umwelt (Klima), Demokratie, Wirtschaftssystem, Sicherheit, Gesundheit – die Frage ist, wird der/die  Einzelne mehr mitentscheiden wollen und mehr Verantwortung übernehmen wollen oder erwarten wir völlig unkritisch und unreflektiert, dass Regierungen weiterhin alles für uns entscheiden.

Was können wir für die Zeit danach „mitnehmen“?

Dass Schnelligkeit, Perfektion, Erfolgsstreben und Technik alleine uns nicht vorwärts bringen – ich wünsche mir allgemein mehr ‚Miteinander‘, mehr vernetztes Denken und Handeln, mehr Respekt für die individuellen Stärken – die eigenen und die der anderen. Krisenmanagement an Schulen und generell sollte eine neue Priorität erhalten.

Vervollständigen Sie den Satz: Dank der Coronakrise…

…werden die Arbeit von zu Hause im Home Office sowie die vielen Berufe, die unser Leben und unsere Gesundheit in dieser ’neuen und fordernden Zeit‘ überhaupt ermöglichen – mehr geschätzt .

Judith White unterrichtet an der HTL das Fach GGP (Geografie, Geschichte und politische Bildung). Das Interview führte Johannes Withalm / Öffentlichkeitsarbeit HTL Rennweg

Traditionen soll man nicht brechen: Unter diesem Motto fand am Freitag die jährliche Osterandacht der HTL Rennweg, dieses Mal gemeinsam mit der HTL Leberstraße, statt. Und in Tagen wie diesen selbstverständlich nicht in der Kirche, sondern digital und interaktiv über eine soziale Plattform. Außerdem konnte man über einen Live Stream im Internet der Andacht folgen.

Spätestens als die mitfeiernden Schüler*innen und Lehrer*innen alleine ihre Kerzen vor der jeweiligen Kamera anzündeten, wurde Allen bewusst, dass wir uns tatsächlich in einer ganz besonderen und herausfordernden Zeit befinden. Und umso mehr strahlte jede einzelne Kerze heller und wärmer als sonst und gab Allen Hoffnung und Zuversicht, dass jede noch so schlimme Situation gemeinsam gelöst werden, und ein ganzes Land bald wieder auferstehen, kann. Selten war die Osterandacht der HTL Rennweg so symbolträchtig wie in diesem April 2020.

Wir haben nach sehr kurzer, aber intensiver Vorbereitung am 16. März mit dem E-Learning begonnen. Da wir selbst noch Erfahrungen sammeln wollten, wurde bereits am 19./20.3. eine Befragung der SchülerInnen und Eltern durchgeführt. Das Ergebnis zeigte, dass der Großteil mit der neuen Situation sehr gut zurechtkam, allerdings die Arbeitsbelastung von Allen signifikant gestiegen war.

Unser E-Learning-Expertenteam hat sich daraufhin intensiv mit Verbesserungsmöglichkeiten auseinandergesetzt. In der Folge wurden die Lehrkräfte ersucht, sowohl Umfang als auch Tempo der Arbeitsaufträge zu reduzieren. Weiters wurde festgelegt, dass alle Aufträge im elektronischen Klassenbuch (WebUntis) samt Abgabetermin und Zeitaufwand festzuhalten sind, um allen Schüler*innen und die Klassenlehrer*innen einen guten Überblick zu verschaffen. Wir verfügen am Beginn der kommenden Woche über die Ergebnisse einer neuen Umfrage und werden sehen, ob sich die Situation nun noch besser eingespielt hat.

Für die Abschlussklassen haben wir festgelegt, dass die Abgabe der Diplomarbeitsberichte zum planmäßigen Termin erfolgt. Die Abschlusspräsentation sowie die „Präsentation und Diskussion“ entfallen. Zur Reife- und Diplomprüfung gibt es nach wie vor keine Details. Aktueller Status ist die Verschiebung um zwei Wochen.

Die Situation ist natürlich für uns und unser ganzes Land neu. Die HTL Rennweg hat von Beginn der Krise an aber mehr die Chancen gesehen, als Probleme und Risiken – und wir haben damit recht behalten! Die im Bildungsbereich schon seit Jahren geforderte Digitalisierung, die an unserer Schule ohnehin schon sehr weit fortgeschritten war, wurde nun in wenigen Tagen perfektioniert. E-Learning, Videokonferenzen und generell digitale Kommunikation unter der Schulgemeinschaft ist in diesen denkwürdigen Tagen zur Selbstverständlichkeit geworden.

Und dennoch fehlt uns Lehrer*innen der direkte und persönliche Kontakt zu unseren Schüler*innen, denn Schule ist natürlich viel mehr als reine (digitale) Wissensvermittlung. Die HTL Rennweg ist ein Ort des respektvollen Miteinanders, wo Begegnung auf Augenhöhe stattfindet, wo viel gemeinsam gelernt, aber auch viel gelacht wird. Auf all das freuen wir uns schon wieder sehr – und hoffentlich auch unsere Schüler*innen 😀

Wir wünschen allen Eltern, Schüler*innen und Kolleg*innen schöne und vor allem erholsame Osterferien!